Woher kommt der Name Lutter? Er wird abgeleitet aus dem Althochdeutschen „hluttar“ und weist auf das Lautere hin, das lautere Wasser oder - wie man heute ausdrücken würde - das klare und saubere Wasser. In der Geschichte des Flüsschens Lutter hat es allerdings bis fast in die heutige Zeit eine permanente Entwicklung hin zur Verschmutzung des Wassers gegeben.

Von seiner geografischen Lage her, unmittelbar an der regionalen Wasserscheide des Osnings (Teutoburger Wald), war Bielefeld immer eine „wasserarme“ Stadt, geprägt durch zahlreiche Quellen und kleinere Fließgewässer. Diese Wasserarmut haben in dem überschaubaren Gemeinwesen „Bilivelde“ - so hieß das heutige Bielefeld zur Stadtgründung vor 800 Jahren - die Mühlenbesitzer, Lohgerber, Bierbrauer und andere Gewerbetreibende bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts stark beklagt. Bis dahin floss der Bohnenbach, dessen Quellgebiet an der Habichtshöhe liegt, aus dem Betheltal kommend durch die Stadt. Nach langen Verhandlungen gelang es dem Bielefelder Magistrat damals, dem Eigentümer der Wasserrechte für die Quellen der Lutter im Gadderbaumer Pass, dem Herzog von Jülich und Berg, einige im Rahmen eines Nutzungsprivilegs abzutrotzen. Das gesamte Wasser der Lutter floss zu jener Zeit in südlicher Richtung zur Ems ab. Das Abgraben der nördlichen Qellbereiche mit Hilfe eines 20 Meter tiefen Kolks und das Ableiten über einen 600 Meter langen Kanal ins Bett des Bohnenbachs hat zur Folge, dass wir heute wasserwirtschaftlich von einer Ems-Lutter und einer Weser-Lutter sprechen.

Der so gewonnene Wasserschatz reichte den Bielefeldern bis in die Zeit der beginnenden Industrialisierung. Am Gadderbaumer Pass, also oberhalb der Kernstadt, hatten sich die Spinnerei Vorwärts und einige Bleichen angesiedelt (vgl. Karte a.d. Jahre 1768). Währenddessen wuchs die Bevölkerung stetig, in der Zeit zwischen 1850 und 1890 von 10.000 auf 40.000 Einwohner. Deren Hausabwässer, teilweise jedoch auch ihre Fäkalien, flossen in die Lutter. 1849 beschwerten sich Anlieger der Straße Am Bach beim Bürgermeister über „faule Dünste“. Auch Bleichen und Färbereien trugen zur starken Verschmutzung bei. Das seit 1854 geltende „Polizei-Reglement“ für den Lutterbach war offensichtlich wenig geeignet, der Verschmutzung entgegenzuwirken. Zeitweise sorgte ein „Abzugskanal“ parallel zur Lutter im Gadderbaumer Pass für Abhilfe, er verlagerte das Problem aber nur Richtung Unterlieger, denn noch vor der Stadtgrenze, bezeichnenderweise vor einer Wäscherei, mündete er zurück in die Lutter. Auch Versuche von Stadt und Bezirksregierung, vor allem die als hochschädlich erkannten Abwässer von Färbereien (mit ihren problematischen Alkalien, Mineralsäuren, löslichen Kupfersalzen, Teer- und Anilinfarben), vom Bach fernzuhalten, schlugen fehl. Die Fabrikanten fühlten sich von der Stadt „erpresst“ und zu Unrecht angeprangert; denn schließlich leiteten sie Abwässer in einen Bach, der bereits hochgradig belastet war.


Foto: Die Überwölbung der Lutter in der Ravensberger Straße kurz nach 1900

Anwohnerinitiativen drangen bereits seit 1885 darauf, das Bachbett abzudecken. Die Überwölbungsmaßnahmen begannen in dieser Zeit und wurden noch vor dem 1. Weltkrieg über die Neubaugebiete an der Ravensberger Straße in den Außenbereich abgeschlossen.


Karte: Auf dem Plan von 1768 sind links der Lutterkolk und rechts daneben die verzeichneten Bleichen zu erkennen


Karte: Stadtplan aus dem Jahre 1827 - zu dieser Zeit gab es an der Lutter 12 Mühlen


Karte: Auf dem Stadtplan aus dem Jahr 1895 ist zu erkennen, dass im Bereich der Straße Am Bach die Lutter bereits unter die Erde gelegt worden war.

Quelle für alle Illustrationen: Stadtarchiv Bielefeld
Quelle für historische Informationen: Dr. Jürgen Büschenfeld

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