»Pro Lutter« - Projektleiter Martin Enderle (links) und Anwohner Heinz Obermann zeigen das naturnah gestaltete Bachbett, in dem die Lutter eines Tages am Spielplatz (Hintergrund) in der Ravensberger Straße vorbei fließen soll.

Am Spielplatz murmelt der Bach

Verein »Pro Lutter« nimmt Ideen der Anwohner in Planungen auf

Von Burgit Hörttrich und Thomas F. Starke (Foto)

Bielefeld (WB). Der Verein »Pro Lutter« reicht heute seine Planungen für ein zum Teil oberirdisch flie- ßendes Gewässer zwi- schen Niederwall und Teutoburger Straße bei der Bezirksregierung ein. Eingeflossen sind dabei auch Ideen der Anwohner.

Der Verein »Pro Lutter« will den Bach durch einen im Durchschnitt 1,50 Meter breiten »Betonkasten« mit einer Wassertiefe von maximal 50 Zentimetern fließen lassen. Der Verein mit Projektleiter Martin Enderle hatte ursprünglich vorge- sehen, die Lutter an der Nordseite der Ravensberger Straße zu führen. In zwei Anwohner-Versammlungen sei aber der Wunsch geäußert worden, die Lutter zwischen Turnerstraße und Mittelstraße auf der Südseite der Ravensberger Straße fließen zu lassen. Die Grün- de: Der Spielplatz soll mit eingebunden und gleichzeitig durch das Gewässer vom Verkehr getrennt werden. Zudem verlangsame die

versetzte Bachführung den Verkehr. Das 600 Meter lange Straßenstück zwischen Niederwall und Teutoburger Straße, zweimal unterbro- chen von Turner- und August-Bebel-Straße, soll Einbahnstraße in Richtung stadtauswärts werden. Wich- tig für die Anwohner, so Enderle, sei das Erhalten (oder Wiederanpflanzen) von möglichst viel Grün und das Behalten von möglichst viel Parkplätzen. Im »Pro Lutter« - Vorschlag sind die Stell- plätze schräg angeordnet, Enderle betont, dass ihre Anzahl dadurch »nahezu gleich« bleibe. Zerstreut worden seien auch die Bedenken der Anwohner, aus der offenen Lutter würde schnell »eine Kloake« wer- den. Die Stadt habe bereits zugesagt, den Bachlauf zu reinigen. Der Verein will die Kanalsanierung in der Ra- vensberger Straße nutzen, um auch das Bett für die offene Lutter anlegen zu lassen. Im Bereich des Spielplatzes sollen die Bach- profile »so naturnah wie möglich« wirken, betont Enderle: »Dann haben wir die Chance, mit unserem Projekt ins Förderprogramm 'Natur- naher Wasserbau' aufgenom-

men zu werden.« Anwohner Heinz Obermann sieht eine offene Lutter als eine Bereicherung für das Wohn- viertel. Er weiß, dass nicht alle Nachbarn einverstanden sind mit der Freilegung, sagt aber: »Die meisten haben aber zugestimmt und auch eigene Ideen eingebracht.« Am kommenden Montag, 10. Dezember, informiert die Stadt um 18 Uhr im Ratssaal die Anwohner über die Kanalsanierung vom Nie- derwall bis zur Teutoburger Straße. Im März 2013 soll mit der Sanierung der Kanalsohle begonnen werden; diese Arbeiten sollen im September nächsten Jahres abgeschlos- sen sein. Die Kanalsanierung in offener Bauweise ist im Jahr 2014 geplant. Insgesamt sollen 2300 Kanalmeter sa- niert werden vom Nieder- wall bis zur Walkenmühle (Stauteich I). Im zweiten Bauabschnitt wird der Kanal überwiegend von innen repariert, um die zum Teil 100 Jahre alten Alleebäume zu erhalten, die bei offener Bauweise hätten gefällt wer- den müssen.

Westfalen Blatt vom
07.12.2012
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