Lisa Steinsiek (Cecilien-Gymnasium), Meta Wadehn (Ratsgymnasium), Felix Gora (Helmholtz-Gymnasium und Karen Elwitz (Gymnasium am Waldhof) machten gestern den offiziellen ersten Spatenstich für die Freilegung der Lutter, umdrängt von ihren Mitschülern.

Auf 120 Meter Länge wird der Bach an die Oberfläche geholt

Bielefeld liegt bald an der Lutter
Von Burgit Hörttrich und Bernhard Pierel (Foto)

Bielefeld (WB). Ein niederländisches Lexikon schreibt, dass »Bielefeld an der Lutter liegt«. Diese Behauptung, die seit rund 100 Jahren nicht mehr zutrifft, soll jetzt wieder Realität werden: auf immerhin 120 Meter zumindest. Gestern fand der - offiziell - erste Spatenstich zur Lutter-Freilegung im Grünzug am Gymnasium am Waldhof statt.

Prof. Andreas Beaugrand vom Verein »Pro Lutter« erinnerte daran, dass die Lutter dereinst unter die Erde verbannt wurde, weil sie als Kloake missbraucht wurde und dementsprechend stank. Er zitierte aus einer alten städtischen Bekanntmachung mit drastischer, aber klarer Wortwahl, die da lautet: »Hiermit wird bekannt gemacht/ dass niemand in die Bache kackt/denn morgen wird gebraut!«

Der Spatenstich fand gleich vierfach statt: von je einem Schüler der »anliegenden Gymnasien«, von Ratsgymnasium, Gymnasium am Waldhof, Cecilien- und Helmholtz-Gymnasium Stellvertretend für die über 2000 Schüler gruben Felix Gora, Meta Wadehn, Lisa Steinsiek und Karen Elwitz ein Stückchen Rasen um. Ziel ist nach wie vor, die Lutter zumindest noch im Grünzug am Finanzamt zwischen »Ceci« und »Helmholtz« offen zu legen.
Während die Kosten für Bauabschnitt Nr. l, 120 Meter lang, 250 000 Euro teuer, gedeckt sind, ist eine weitere Finanzierung des Projektes offen. Verworfen worden war im Rat der Plan, zumindest in der Straße Am Bach die Möglichkeit offen zu halten, irgendwann einmal dort die Lutter offen fließen zu lassen - abzüglich der diversen Einfahrten.
Zum offiziellen Akt gestern machten Musik die Big Band des Gymnasiums am Waldhof unter Leitung von Heike Bug und der Bläserchor des »Rats« unter Leitung von Armin Kansteiner. Regine Schürer. Vorsitzende von »pro grün«, sagte zu, dass der Verein zu seinem 30-jährigen Bestehen einen »richtig großen Baum« spenden werde - Ersatz für einen Baum, der für die Lutter-Freilegung gefällt werden muss.
Fertig gestellt sein sollen die ersten 120 Lutter-Meter im Herbst - inklusive der neu gestalteten Grünanlage mit Insel, zwei Brücken und insgesamt zehn neuen Bänken. Bruno Peters und Martin Enderle vom Vorstand »Pro Lutter« freuen sich, dass sich bereits für sechs dieser Bänke, die pro Stück 1000 Euro kosten, Sponsoren gefunden haben: »Alle Namen werden auf kleinen Tafeln verewigt«. Vier Bänke suchen noch Komplett- oder Teilspender (Tel. 0521/2706987).
Gekommen zum »feierlichen Akt« waren unter anderem Bürgermeister Detlef Helling, Dr. Bernhard von Schubert, Vorsitzender des Verkehrsvereins, Hans-Rudolf Holtkamp, Geschäftsführer der Bielefeld Marketing GmbH, Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, die FDP-Ratsmitglieder Otto Sauer und Harald Buschmann, Mitte-Bezirksvorsteher Hans-Jürgen Franz, Dr. Godehard Franzen, Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, Hans Hamann, SPD-Fraktionsgeschäftsführer, Geschäftsfrau Cornelia Delius, die Schulleiter Gerd Kranzmann und Ruth Leutheusser de Vries.

Westfalen Blatt vom 20.04.2004

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