Idylle im Park: So stellt sich das Planungsbüro Soennichsen aus Minden den Verlauf der Lutter am Spielplatz in der Nähe der Hammer-Mühle (im Hintergrund) vor.

Hammer-Mühle-Gäste wollen an Lutter sitzen

Verein bereitet Freilegung des Baches an Ravensberger Straße vor

VON FRANK BELL

• Bielefeld. Seit Oktober 2004 sprudelt die Lutter am Gymnasium Waldhof wieder oberirdisch. Wenn alles wieder gut geht, könnte sie in zwei Jahren auch im Grünzug an der Ravensberger Straße wieder oberirdisch fließen. Der Verein Pro Lutter arbeitet mit Hochdruck an diesem dritten Bauabschnitt. Gestern wurde die Linienführung bestimmt.


Weiße Linie: Lutter-Projektleiter Martin Enderle mit der Kreidekarre.
FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Mit einer Kreidekarre mar- kierten Vertreter des Vereins und der Bauverwaltung zusammen mit Wasserbau- Ingenieur Detlef Sönnichsen und Vermessungsingenieur Günter Massong den Verlauf der Lutter zwischen Teu- toburger Straße und Stau- teich I (An der Wal- kenmühle): „Das Flussbett muss so liegen, dass weder Telekommunikations-, Was- ser- und Abwasserleitungen noch die Wurzeln der Platanen gestört werden”, erläutert Projektleiter Martin Enderle.
Besonders liegt ihm die Hammer-Mühle am Herzen, denn sie ist das einzige noch erhaltene Mühlengebäude an der Lutter (mit Ausnahme der Mühle Meyer zu Heepen). Ein farbiger Plan im Stadtarchiv weist von der Lutterquelle in Brackwede bis Nieder- mühlenkamp zwölf Mühlen auf, dazu kommen die Hammer-Mühle und die Walkenmühle: „Die Zahl kann sich heute niemand mehr vorstellen”, sagt Enderle.
Deshalb hat der Verein frühzeitig mit Bernd Hille- brand, dem Besitzer des Gebäudes, und Uwe Modest, dem Pächter der Hammer- Mühle, Kontakt aufge- nommen. Beide sind davon angetan, dass der Bach wieder am Haus vorbeifließen soll. „Es wäre toll, wenn die Gäste direkt am Bach sitzen könnten und über eine kleine Brücke den Seiteneingang benutzen.


Aus der Bauakte Mühlenstraße 36 (rot): Zum Antrieb des Mühlrades war ein Teich als Reservoir angelegt worden. Wenn genug Wasser drin war, wurde die Lutter um den Teich herumgeleitet.


FOTO: ARCHIV B. HILLEBRAND
Vor l00 Jahren: Die Dachaufbauten erinnern an den Zweck des Gebäudes, das inzwischen von Müller Hammer auf Heinrich Rückewarth (das „e” entfiel später) übergegangen war. Unvergessen ist das Pächterehepaar Anita und Rolf Meister (1963 bis 1979).

Die wünschen sich das, seit der Verein seine Arbeit publik gemacht hat und fragen immer nach dem Stand der Arbeiten”, sagt Modest. Auf einem künftigen Lutter- spaziergang zwischen Kunst- halle und Heepen wäre die Hammer-Mühle (sie gehörte einst dem Müller Hammer) die einzige Gastronomie.
Für den einstigen Mühlen- teich gibt es heute keinen Platz mehr. In seiner ursprünglichen Größe reichte er bis hin zum Kinder- spielplatz und dem Mehrfa- milienwohnhaus nahe der Mühle. „Aber wir könnten den Teich auf einer kleineren Fläche andeuten”, meint Enderle. Und Gastronom Modest möchte auch gerne wieder einen Mühlstein an der Außenwand des 1891 errichteten Hauses anbrin- gen.
Enderle beziffert die ge- samten Baukosten für den rund 1.200 Meter langen Bachlauf auf 1,5 Millionen Euro. Er hofft, die wasser- rechtliche Genehmigung in diesem Jahr zu bekommen, damit anschließend nach einer Planfeststellung mit Beteiligung der Anlieger und der Bezirksvertretung Mitte eine abgesegnete Planung vorliegt.

„Bis spätestens 10. Januar 2007 muss der Zuschuss- antrag beim Land vorliegen. Wenn es gut läuft - ich gehe dabei immer von der Freilegung des Soestbaches in Soest aus - erhalten wir einen Zuschuss von 80 Prozent. Die restlichen 300.000 Euro müssen wir mit Hilfe von Sponsoren und Spendern aufbringen", sagt Enderle mit Zuversicht in der Stimme.
Pro Lutter hatte im ver- gangenen Jahr bereits mit der Allianz-Stiftung in Mün- chen und der Deutschen Bundes-Umweltstiftung (DBU) in Osnabrück Kontakt auf- genommen. „Beide sind nach einem Ortstermin von unserem Projekt angetan", sagt Vorstandsmitglied Bruno Peters. Bei beiden Stiftungen laufen Zuschussanträge. En- derle hofft auf einen Baubeginn im kommenden Jahr. Schon in wenigen Wochen geht es weiter: Dann beginnt der Bau der Lutter- Promenade zwischen dem früheren Rodin und dem Grünzug am Gymnasium Waldhof.

Neue Westfälische vom
30.03.2006

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