VON FRANK BELL

Bielefeld. Sie surren ganz leise, leisten aber eine Menge: Seit einigen Wochen saugten zwei Tauchpumpen das Lutterwasser hinter der Sushi Bar Nebelswall ab und leiteten es in Rohren hundert Meter weiter in den alten Lutterkanal. Jede von ihnen schafft 300 Kubikmeter in der Stunde, sagt Schachtmeister Klaus Eggebrecht. Grund für die Umleitung: Das Bauwerk, das einen Teil des Wassers für die „obere Lutter” abzweigen soll, musste natürlich trocken eingesetzt werden.

Gestern schaltete Eggebrecht die Pumpen ab und zog die Bretteraus dem provisorischen Wehr heraus. „Wir haben den alten Kanal am Gymnasium am Waldhof aufge- schnitten und das vorgefertigte Bauwerk eingesetzt”, sagt der Schachtmeister. Zuvor hatte das Tiefbauunternehmen Immig rund 65 Meter Kanalrohre verlegt, deren Anfang und Ende schon zu sehen sind, geschmackvoll eingefasst mit Kalkstein aus dem lippischen Sonneborn bei

Im Bachbett: Daniel Graflage, BennoRöding und Ralf Dietrich (v. links,) von der Firma Nordemann setzen die schweren Kalksandsteine. Links neben Graflage das Fundament für eine der beiden Brücken.
Barntrup: Am Parkplatz des Stadtpalais und am Bach.
Dort muss die obere Lutter wieder unter die Erde, weil die derzeitige Mehrheit im Rat ein offenes Gewässer in der Straße abgelehnt hat. „Schade”, bedauert Martin Enderle, „Am Bach ist so breit geworden, das ist jetzt eine Einfallsschnelltraße in die Altstadt. Ein Gewässer hätte sich da gutgemacht.”
Die beteiligten Firmen sind dabei, rund 1.000 Kubikmeter Boden auszuheben, Schotter und Lippe-Kies zu verteilen. Rund 150 Tonnen Kalkstein aus dem lippischen Sonneborn verlegen Mitarbeiter der Firma Nordemann - große, schwere Brocken, die an schon einigen Stellen erahnen lassen, dass die Lutter eine große Attraktion werden wird.
Das Auslautbauwerk, dort, wo die obere Lutter wieder im alten Kanal verschwinden wird, musste wegen Fernwärmerohren um einige Meter zurück versetzt werden. 30.000 Euro hätte deren Umlegen gekostet. „Man denkt, das ist eine Grünanlage, aber darunter verbirgt sich ein Spinnennetz verschiedenster Versorgungsleitungen”, sagt Martin Ender-

Stau: Projektleiter Martin Enderle am Ersatz-Wehr hinter der Susin Kar. Zwei Tauchpumpen leiten das Lutterwasser um.
le. Er ist Leiter des 250.000-Euro-Projektes, das der Verein „pro Lutter” aus Spendenmitteln selbst finanzieren muss. Landeszuschüsse gibt es zunächst nicht, weil wegen des Beschlusses der Ratsmehrheitgegen die Lutter in der Straße Am Bach keine Gesamtkonzeption möglich war.
Enderle hofft, dass Tiefbau- und Mauerwerksarbeiten, die beiden geplanten Brücken und die Stromversorgungsleitungen zum Ferienbeginn fertig sind. Anfang Oktober soll offiziell das erste Wasser fließen.


Alte Lutter- neue Lutter Schachtmeister Klaus Eggebrecht von der Firma Immig steht auf dem just eingesetzten Verteilbauwerk am alten Kanal. Vorne der Einstieg zu den Schiebern für die die neue Lutter, hinten die „Umleitungsrohre”.
FOTOS: WOLFGANG RUDOLF
Dankbar ist er für die Unterstützung der Stadtwerke durch eine Spende, Hilfe bei der Ausschreibung und beim Entwirren der vielen Versorgungsleitungen.
Für nächstes Jahr hat sich der Verein das Projekt „Lutterpromenade” vorgenom- men: „Wir wollen die Fußweg-Lücke zwischen Gymnasium am Waldhof und Sushi Bar in Kooperation mit der Fachhochschule Minden und den Anlieger-Gymnasien schließen”, sagt Enderle. Vor der Mitgliederversammlung am Donners- tag, 15. Juli, bietet der Verein um 19 Uhr eine Baubesichtigung für alle Interes- sierten an.

Neu Westfälische vom 24.06.2004

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