Fließendes Wasser bringt Lebensqualität auch in der Ravensberger Straße: Die Anlieger Andreas Boenke (l., Repro-Zentrum Rosenberger) und Dr. Bernhard von Schubert (2. v.r, Gundlach) begrüßen die offene Lutter. Martin Enderle (2. v.l.) und Bruno Peters (r.) finden den Bach dort sehr reizvoll.
FOTO: ANDREAS ZOBE/ GRAFIK: PRO LUTTER/ MONTAGE: THOMAS GRUNDMANN

Eine Jahrhundertchance

Pro Lutter will den Bach auch in der Ravensberger Straße fließen lassen

VON FRANK BELL

• Mitte. Statt wie geplant in diesem Jahr kann der Verein pro Lutter die Fördergelder von rund zwei Millionen Euro Ende nächsten Jahres abrufen. Wegen des maroden Lut- terkanals in der Ra- vensberger Straße bis zum Stauteich I verzögert sich die Freilegung der Lutter. Der Verein konn- te, so Projektleiter Martin Enderle, bei den Stif- tungen erreichen, dass Auszahlungen ein Jahr später fällig werden. Das Land habe zugesichert, dass das Projekt ganz oben auf der Prio- ritätenliste bleibe. Jetzt will der Verein diese Verzögerung nutzen, die Lutter auch in der Ravensberger Straße an die Oberfläche zu holen.

„Das ist eine Jahrhundert- chance. Vor 100 Jahren entstand der Kanal, der jetzt total erneuert werden muss. Diese Bauarbeiten können und wollen wir zur Freilegung nutzen“, sagte Enderle. Denn der Verein hatte sich inzwischen damit abgefun- den, dass das Gewässer in dem Abschnitt nicht plät- schern würde. „Ich finde diesen möglichen Lücken- schluss toll und hoffe, dass sich das für unser Gund- lach-Carré wie auch für die Bewohner

des Altenheims positiv aus- wirkt“, sagt Anlieger Dr. Bernhard von Schubert, der das Projekt von Anfang an fördert. „So kann aus dem negativen Aspekt der Verzö- gerung noch etwas positives werden“, fügte der frühere Vorsitzende des Verkehrs- vereins hinzu. Auch Andreas Boenke, Geschäftsführer der Firma Repro-Zentrum Rosen- berger, unterstützt pro Lutter: „In Soest und Bad Salzuflen zum Beispiel kann man sehen, wie viel mehr Lebensqualität fließendes Wasser bringt.“ Pro-Lutter-Vorstandsmitglied Bruno Pe- ters betont, dass Park- platzprobleme gelöst werden können und selbstverständ- lich der ungehinderte Zugang zu den Häusern und Grundstücken gewährleistet werde: „Es könnte kleine Brücken oder einfache Durch- lässe geben.“ Natürlich werde der Verein mit den weiteren Anliegern über das Vorhaben sprechen. „Da der Lutterkanal in der Ra- vensberger Straße erst zwischen 2014 und 2016 erneuert wird, haben wir genug Zeit, für die Offen- legung zu werben, und an Fördergelder zu kommen“, sagt Enderle. Eine Kosten- schätzung gebe es noch nicht. Von 2011 bis 2013 sei der Kanalabschnitt Teuto- burger Straße bis Stauteich I an der Reihe. Sollte es da zu Verzögerungen kommen, könnte der Verein

rotzdem mit dem Bau beginnen: An der Loh- kampstraße, wo die obere Lutter wieder in ihr altes Bett münden soll. Enderle und der Vereinsvorstand hoffen, dass der Lückenschluss in der Ravensberger Straße auch auf Wohlwollen bei den Stiftungen (Deutsche Bundes-Umweltstiftung, Allianz-Stif- tung, Stiftung Sparda Bank, Stadtwerke-Stiftung sowie Verkehrsverein) und beim Land Nordrhein-Westfalen stößt. Die Chefs von Umwelt- und Allianz- Stiftung seien demnächst in Bielefeld, um sich zu informieren. „Wir brauchen aber auch klare politische Beschlüsse zur Sanierung des Kanals, und keine erste, zweite oder dritte Lesung, damit sich unser Projekt nicht weiter verzögert“, sagte Enderle mit Blick auf die Politik.

Lutter-DVD in der historischen Reihe

• Über die Geschichte vor allem der Weserlutter und das Freilegungsprojekt des Vereins proLutter ist in der historischen Reihe der Neuen Westfälischen eine DVD erschienen: „Die Lutter – Bielefeld entdeckt seinen alten Bach“ ist zum Preis von 14,90 Euro in der Geschäftsstelle Niedern- straße erhältlich.

Neue Westfälische vom
16.10.2010
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