Gute Aussicht: Bruno Peters und Thomas Berger (von links) testen den Sitzkomfort der neuen Bank am ersten Stauteich. Für das Foto haben die beiden ausnahmsweise den Blick vom See abgewendet. Bei der Rodung der Böschung wurde nur das Unterholz entfernt, die alten Bäume am Ufer durften stehenbleiben.
FOTO: ANDREAS ZOBE

Sehnsucht nach Wasser

Der Verein Pro Grün hat den verborgenen Stauteich an der Walkenmühle freigelegt

VON JOHANN VOLLMER

• Mitte. Bielefeld ist für seine Grünanlagen be- kannt. Die wenigen Stadtgewässer wie die Stauteiche entlang der Heeper Straße blieben dagegen selbst Anwoh- nern verborgen - zu undurchsichtig war das Dickicht, das lange den Seeblick versperrte. Jetzt laden Bänke zum Ver- weilen am Ufer ein. Der Verein Pro Grün hat damit die erste Phase zur Freilegung der Teiche abgeschlossen.

„Wenn man über den See bis zur Hammer Mühle schaut, dann ist es fast wie im Englischen Garten in Mün- chen”, schwärmt Bruno Peters, Mitglied bei Pro Grün und Vorsitzender des Vereins Pro Lutter. Die beiden Initiativen haben sich vorgenommen, verborgene und zubetonierte Stadt- gewässer wieder ans Tageslicht zu holen. Zusammen mit Thomas Berger vom

Umweltbetrieb der Stadt sitzt Peters auf einer der neuen vier Bänke, die von Pro Grün finanziert worden sind. Auf der anderen Seite des Sees öffnet sich gut sichtbar die Platanenallee, die zur Hammer Mühle führt. „Unser Ziel ist es, eine komplette Verbindung von der Stadt bis in die Landschaft hinein zu schaffen”, sagt Peters, der sich eine blaue Achse entlang der Lutter vom Stadtteil Quelle bis zur Werre- Einmündung bei Herford vorstellen kann.
Noch plätschert die Lutter aus einem großen Rohr in den Stauteich. In Zukunft soll der Bach oberhalb an der Platanenallee entlang laufen. „Das hängt von Fördermitteln der Bundesumweltstiftung ab”, sagt Peters. Werden die beantragten 50.000 Euro bewilligt, könnten die Arbeiten 2008 beginnen.
Als Naherholungsgebiet lädt der Teich bereits jetzt ein. An mehreren Stellen wurde die Böschung während der Arbeiten zur Entschlammung des Teiches freigelegt. „Jetzt müssen wir hur dafür sorgen, dass die freigelegten Stellen

nicht wieder zuwachsen”, erklärt Thomas Berger. Insgesamt hatte der Umweltbetrieb 5.700 Tonnen Schlamm vom Grund des Sees ausgehoben und in 210 Lkw-Fahrten auf die Deponie Lemgo geschafft.Wann die Arbeiten an den anderen beiden Teichen beginnen, steht noch nicht fest. „Wir wollen das jetzt Stück für Stück hin bekommen”, verspricht Berger. Auch der zweiten Stauteich soll als Ort für ein ruhiges Naturerlebnis gestalten werden.
„Am dritten See werden wir dann mehr Aktivitäten am Wasser anbieten”, sagt Peters. Geplant sind dort neben einer Gastronomie auch Stege, von denen aus Boots- und Floßfahrten unternommen werden können.
Wenn die blaue Achse fertiggestellt ist, glaubt Peters fest daran, dass sich das Ziel von Pro Grün und Pro Lutter verwirklichen lässt: „Wir versuchen, bei den Bielefeldern die Sehnsucht nach Wasser zu wecken.”

Neue Westfälische vom
26.06.2007

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