Der Bach in der Innenstadt: Die Lutter vor dem Gymnasium am Waldhof.
FOTO: REIMAROTT

„Die offene Lutter ist ein Gewinn”

Stadtrat bittet Verein um ein Gesamtkonzept

VON FRANK BELL

• Bielefeld. Die Lutter soll auch in der Straße Am Bach und in der Ravens- berger Straße offen flie- ßen. Eine Mehrheit im Rat aus Grünen, SPD, BfB, FDP, PDS und Bürgernähe hat gegen die Stimmen der CDU beschlossen, den Verein pro Lutter um ein Gesamtkonzept für das Projekt von der Straße am Bach bis hin zum Stauteich I zu bitten.

Der Verein soll die Planung in Abstimmung mit dem Netzwerk „Vier Schulen an der Lutter” und der Fachverwaltung erarbeiten. Zusammen mit Kosten- schätzungen und geprüften Fördermöglichkeiten soll das Konzept im Umwelt- und Stadtentwicklungsaus- schuss möglichst noch vor der Sommerpause beraten werden.
In dem von den Grünen und der SPD vorgelegten Antrag heißt es: „Der Rat sieht die Aufgabe der Stadt Bielefeld darin, die Weiterführung der Lutter-Freilegung fach- lich aktiv zu unterstützen und dem Verein insbe- sondere bei der Einwer- bung von Fördermittel beiseite zu stehen. Er geht davon aus, dass die Fortführung des Projektes den Investitionshaushalt der Stadt nicht belasten wird.” Im Antrag ist auch noch ein Dank formuliert für das große Engagement der Vereine pro Lutter, Pro Bielefeld, Pro Grün,

Verkehrsverein, Historischer Verein und Kunstverein, an von Schülern und Lehrern der Gymnasien Ceci, Helmholtz, Am Waldhof und Rats und das Engagement der Bürger mit ihren Spenden. Diesem Dank schloss sich auch die CDU an.
Für die Grünen betonte ihr umweltpolitischer Sprecher Rainer Hahn den Antrag: Das Freilegen solle weitergehen, das Engagement der Men- schen fortdauern, und die Stadt durch die offen fließende Lutter schöner und attraktiver werden.
Hahn weiter: „Wir meinen, dass eine Offenlegung in den stark bebauten Bereichen wie der Straße Am Bach nicht nur möglich, sondern ein Gewinn und eine Bereicherung für Bielefeld sein kann.” Ver- kehrsprobleme könnten ge- meistert werden, es gebe in der Stadt schwierigere Stellen.
Hahn rief in Erinnerung, dass CDU und BfB das Projekt über den ersten Bauabschnitt hin- aus dadurch gestoppt hatten, dass sie das Offenlegen in der Straße Am Bach ablehnten: „Dadurch wurde eine Ge- samtkonzeption unmöglich, die aber Voraussetzung für eine finanzielle Förderung vom Land oder von Stiftungen ist.” CDU-Sprecher Ralf Nettelstroth betonte, der erste Bauabschnitt sei gut gelungen. Die Lutter könne ab Teutoburger Straße bis Stauteich I ohne großen Aufwand offen fließen. „Wir sind aber nicht dafür, Straßen aufzureißen und Fahrbahn- querschnitte zu verringern.” In der Ravensberger Straße sei zudem mit Widerstand der

Anwohner zu rechnen. Bürgermeister Horst Grube (SPD) bezeichnete den Lutter-park am Waldhof als „überaus gelungen”. Er sei ein Anziehungspunkt für die Altstadt. „Alle, die skeptisch waren, sind eines besseren belehrt worden.” Man müsse zwar zur Kenntnis nehmen, dass CDU und BfB mit ihren Beschlüssen eine Chance vertan hätten und die Straße Am Bach fertig gestellt sei und nun nicht sofort wieder aufgerissen werden könne. „Man sollte an das Projekt Freilegung offen herangehen, und den Bachlauf überall da, wo es geht, öffnen.”
Grube forderte, die Anlieger an der Ravensberger Straße ein-zubeziehen. Ein offene Lutter sei dort nur möglich, „wenn endlich das Justiz- parkhaus Tag und Nacht geöffnet ist.” Otto Sauer (FDP) freute sich über den Antrag: „Wir sind seit vielen Jahren dafür.” Beim Bau des Welle-Hauses sei eine Chance vertan worden. Barbara Schmidt (PDS) sagte, jetzt gebe es Perspektiven für das Projekt. Johannes Delius (BfB) sagte nach der Ratssitzung zum Lutterpark: „Das Ergebnis ist wunderbar.”

Neue Westfälische vom
18.01.2005

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