Saubere Sache: Dirk Großegödinghaus spielt an der freigelegten Lutter mit Sohn Tim und Ehefrau Petra.
FOTOS: REIMAROTT

Lutter hat Trinkwasserqualität

Berufsschüler untersuchen Wasser / Ex-Umweltdezernent Enderle: „Fast sensationell”

VON KURT EHMKE

• Bielefeld. Gewässergüte I bis II - mit so sauberem Lutterwas-ser mitten in der Innenstadt hätten weder Martin Enderle noch Dr. Carsten Lieshoff gerechnet. Enderle setzt sich mit dem Verein Pro Lutter für eine ober- irdisch fließende Lutter ein, Lieshoff untersuchte mit Schülern des Carl - Severing - Berufskollegs für Biotechnologie das Wasser im ersten frei- gelegten Abschnitt am Waldhof.

„Das Wasser hat Trink- wasserqualität”, sagt Lieshoff nach einer Reihe von Untersuchungen, die allesamt bestätigten, dass die Lutter überraschend sauber ist. „Weitere Freilegungen könn- ten die Qualität noch ver- bessern”, sagt der Experte, „dann kann noch mehr Sauerstoff eingetragen wer- den und sich weitere Organismen ansiedeln.”
Diese Organismen sind der Gradmesser für sauberes oder schmutziges Wasser: Wie viele leben im Wasser, welche leben hier? Das haben die Schüler untersucht und nach den üblichen Untersuchungskriterien ge- wichtet. 108 Organismen fanden sie, 15 verschiedene Arten. Fazit: „Die geringe Belastung ist auf natürliche Nährstoffeinträge wie Blätter im Quellgebiet zurück- zuführen”, sagt Lieshoff. „Abwässer fließen definitiv nicht in die Lutter.” Vor dem Gymnasium am Waldhof könnten Eltern bedenkenlos ihre Kinder im Wasser spielen lassen - „es hat eine erstklassige Qualität”. Unter- sucht wurde auf drei Ebenen:


Unter ihnen die Lutter Rechts von Andreas Beaugrand, Günter Wesch, Detlef Sönnichsen, Uwe Modest, Bernd Hillebrand und Martin Enderle, v. l., soll der Bach vor der Hammer Mühle für kurze Zeit verschwinden, um auf der anderen Seite wieder oberirdisch zufließen

Ergebnisse, die Enderle in der Idee bestärken, die Lutter an immer mehr Stellen aus ihrem unterirdischen Bett wieder ans Tageslicht zu holen - oder dort, wo sie bereits oberirdisch fließt, besser in Szene zu setzen. Das geschieht zurzeit an der Lutterpromenade zwischen Nebelswall und Gymnasium am Waldhof, 2008 soll die Lutter dann auf 1.200 Metern zwischen Teutoburger Straße und Stauteich I freigelegt werden. „Wir werden die Lutter um den Stauteich herumführen - bis zu der

Stelle, wo sie zurzeit ans Tageslicht kommt.” Kosten: l,5 Millionen Euro.
Wasser ist in Bielefeld zurzeit ein großes Thema: Der Obersee soll saniert werden, um Freibäder wird gekämpft, der Sennesee wird diskutiert, Stauteiche werden ent- schlammt. Auch entlang der Lutter soll Wasser erlebbarer werden: Der Verein Pro Grün plant laut Enderle am Stauteich Sitzbänke, an der Hammer-Mühle soll die freigelegte Lutter direkt vor dem Gasthaus entlang fließen - ein Mühlstein soll Energie erzeugen und an das vorletzte verbliebene Müh- lengebäude entlang der Lutter erinnern (es gab einmal zwölf Mühlen). Sogar der alte Mühlenteich soll in kleinerer Form wieder neben der Haus von 1891 ent- stehen.
Von diesen Ideen machte sich gestern vor Ort auch die SPD-Ratsfraktion ein Bild, Pit Clausen: „Es gibt eine neue Lust auf Wasser, was wir fördern können, werden wir fördern.”

www.prolutter.de
www. lutter-leben.de

Neue Westfälische vom
14.08.2006

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