Ganz schön kalt: Um Punkt 12.31 Uhr suchte sich die bislang in einem unterirdischen Rohr verborgene Lutter erstmals plätschernd ihren Weg durch das neue, schmucke Bachbett im Grünzug am Gymnaisum am Waldhof. Nicht nur die Kinder waren begeistert.
FOTOS: ANDREAS FRUCHT
La-Ola-Wellen für die Lutter

Seit Samstag fließt Bielefelds Bach wieder oberirdisch

• Bielefeld (tok). Der Moment hätte ja so feierlich und hochoffiziell sein können. Hätte. Wenn nicht ausgerechnet Heinz Flottmann der Moderator gewesen wäre. So machte der bielefelderischste aller Komödianten die Einweihung des oberirdischen Lutter-Bachbettes zu dem, was sie eigentlich auch sein sollte: Ein fröhliches, stimmungsvolles Fest.


Der richtige Dreh: Assistiert von „Wassergeistern” öffnete Kabarettist Heinz Flottmann den Schieber, der die Lutter freigab


Junger Baum: Am Ufer wurde eine Esche gepflanzt:
FOTO: ULONSKA


Mehr als tausend Lutter-Fans tummelten sich am Samstag ab 12.00 Uhr rechts und links des schmucken, liebevoll naturnah gestalteten, zu diesem Zeitpunkt noch trockenen Bachbettes im Grünzug zwischen Hans-Sachs-Straße und „Am Bach”. Um Punkt 12.31 Uhr war es dann soweit. Heinz Flottmann im so genannten Spaltbauwerk den Schieber und entließ so dass Flüsschen aus seiner Rohr-Verbannung in die oberirdische Freiheit.
Zunächst ganz langsam, dann aber immer munterer, suchte und fand das erstaunlich klare Wasser plätschernd seinen Weg. „Ich denke, um die Überflutung der Altstadt müssen wir uns heute keine Sorgen machen”, meinte Flottmann, um dann hinzuzufügen: „Aber jeder Ozean hat einmal als Bach angefangen.”
Auch wenn der Fluss, an dem Bielefeld liegt, zur eher kleineren Sorte gehört, bekam er doch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach mehr als 100 Jahren einen Riesenapplaus. Dazu gab es jede Menge La-Ola-Wellen, was ja zur Feier eines Gewässers irgendwie auch passend ist. Der Verein „Pro Lutter”, dem die Offenlegung zu verdanken ist, hatte in Zusammenarbeit mit den am Bachlauf liegenden Schulen ein tolles, informatives und gleichzeitig unterhaltsames Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. „Jetzt wird es Zeit, dass wir die nächsten Teilabschnitte an die Oberfläche holen”, meinte der Vorsteher des Stadtbezirks Mitte, Hans-Jürgen Franz (SPD). Der gleichen Meinung ist Prof. Andreas Beaugrand vom Verein „Pro Lutter”. Auf den dritten Bauabschnitt freut sich besonders der Leiter des Helmholtz- Gymnasiums, Gerd Kranzmann. „Wenn die Lutter dann direkt an unserer Schule vorbeifließt, starten wir eine Marineklasse", scherzte er.

Neue Westfälische vom 11.10.2004

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